Behindertensportverband ehrte die Meister des Jahres 2017

erstellt am: 13. März 2018

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Lotto-RLP Geschäftsführer Jürgen Häfner bei der Begrüßung

Das schlichte Ziel: die Titelverteidigung

Koblenz. Kann ein Leichtathlet Probleme damit haben, dass er zu schnell läuft? Und andererseits einen Deutschen Meistertitel für einen Trainingslauf gewinnen? Wer bei der alljährlichen Sportlerehrung des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV) dabei war, der weiß: Beides ist möglich.

Wenn der BSV in die Koblenzer Lotto-Zentrale einlädt, dann steht ein „Familientreffen“ der besonderen Art an: Die Behindertensportler aus den Vereinen des Landes fühlen sich in diesem Kreis ganz wie Zuhause, denn Rheinland-Pfalz ist nach wie vor das Vorzeige-Bundesland wenn es um die Gleichstellung behinderter und nichtbehinderter Sportler geht. Und der Gastgeber, das Glückspiel-Unternehmen mit dem roten Kleeblatt, zeigt immer wieder seine enge Verbundenheit zu den Athleten mit Handicap.

Das Land und die Sportbünde tun dies ebenso. Das hat inzwischen eine solche Selbstverständlichkeit erreicht, dass Innenminister Roger Lewentz, Lotto-Chef Jürgen Häfner, die Landessportbund-Vorsitzende Karin Augustin und BSV-Präsident Karl-Peter Bruch die vorbildliche Förderung nur noch erwähnen, aber nicht mehr betonen. Im Mittelpunkt stehen wie immer die Sportler, die im vergangenen Jahr einen Deutschen Meistertitel gewonnen oder einen internationalen Medaillenrang erreicht haben.

Natürlich sind „die üblichen Verdächtigen“ dabei, wenn es um die Auszeichnungen geht, die BSV-Vizepräsident Rolf Boettiger gemeinsam mit den Ehrengästen vornimmt. Die Dressur-Reiterinnen Hanne Brenner und Claudia Schmidt sind Meisterehren ebenso gewohnt wie der Kreuznacher Thomas Knoth, der bereits zum achten Mal Deutscher Meister im Boccia wurde. Auf genauso viele Titel wie Knoth kommt inzwischen die Fußballtennis-Truppe aus dem Idar-Obersteiner Stadtteil Nahbollenbach.

Für die Mannschaft aus der Edelsteinstadt wird es allerdings von Jahr zu schwerer, den Meistertitel auf Bundesebene zu gewinnen, da in anderen Ländern, vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen, die Konkurrenz immer stärker wird. In diesen Landesverbänden nehmen 15 bis 20 Mannschaften am Spielbetrieb teil, was dazu führt, dass die besten Teams ständig gefordert werden. In Rheinland-Pfalz haben die Nahbollenbacher allerdings keine ernsthaften Gegner – sie müssen deshalb immer zu den „Deutschen“ topfit sein.

Ein bekanntes Gesicht wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich bei den Meisterehrungen fehlen. Der Judoka Thorsten Richter (Bad Kreuznach) beendet nach 23 Jahren seine Karriere, zum Abschluss gekrönt durch den Titel eines Deutschen Meisters und den eines Vize-Europameisters.

Schon etabliert sind auch die pfälzischen Bogenschießerinnen Ines Krehbiel (Schopp) und Désiree Kaufmann (Hochspeyer). Ines Krehbiel hat gerade zwei Tage zuvor ihren Titel aus dem Jahr 2017 verteidigt, Désiree Kaufmann hat nicht nur den DM-Titel gewonnen, sondern auch einen neuen Rekord mit dem Compound-Bogen aufgestellt. Und auch für Kevin Zimmermann, den Sportschützen aus Wissen /Sieg, gab es zwei weitere Goldmedaillen bei Deutschen Meisterschaften.

Die neuen Gesichter sind es, die für die ganz besonderen Momente bei der Meisterehrung sorgen. Zum Beispiel die 20-jährige Corinna Hochdörfer aus Ludwigshafen, der gleichaltrige Georg Lorenz aus Trier oder die Taekwondo-Kämpferin Christin Schön aus Sonnenberg.

Christin Schön hat die schlichtest mögliche Antwort parat, als sie von Moderator Clemens Buch nach ihren Zielen fürs laufende Jahr gefragt wird: „Titelverteidigung“, sagt sie und erntet für diese klare Definition ihrer Ambitionen nach dem ersten Meistertitel viel Beifall. Georg Lorenz hat im Kegeln auf der Scherenbahn seinen ersten Titel mit der beeindruckenden Zahl von 612 der 900 möglichen Punkte gewonnen. Tischtennisspielerin Corinna Hochdörfer hat eine klare Karriereplanung. Die Team-Europameisterin will zunächst international unter die Top Ten kommen und dann zu den nächsten Paralympics im Jahr 2020 fahren.

Ein Newcomer fesselte die Zuhörer ganz besonders: Tien Fung Yap wurde Deutscher Meister im 5000-Meter-Lauf. Der 27-Jährige, der für Mainz startet, hatte die Teilnahme aber eher als eine Art Trainingseinheit gesehen, denn seit 2015 ist er begeisterter Marathonläufer – und dazu ein sehr guter. In London lief er im vergangenen Jahr mit 2:56 unter 3 Stunden über die 42,195 Kilometer.

Seine hervorragende Zeit stellt allerdings ein ganz besonderes Problem für ihn dar. Da der Physiotherapeut nur über 5 Prozent Sehkraft verfügt, benötigt er einen anderen Top-Athleten, der mit ihm läuft, durch eine Leine verbunden. Und der muss in der Lage sein, rund eine Viertelstunde schneller zu laufen als Yap selbst, da er auf der Strecke immer wieder auch Kommandos geben und seinen Mitläufer betreuen muss, zum Beispiel, um ihn mit Getränken zu versorgen.

Marathonis, die eine so starke Zeit laufen können, wollen aber in der Regel für eigene Meriten an den Start gehen und stellen sich nicht in den Dienst eines anderen Athleten. Deshalb ist Tien Fung Yap sehr froh, dass er derzeit mit dem Pfälzer Ultra-Läufer Max Kirschbaum aus Eisenberg einen Partner gefunden hat, der ihn auf der Marathon-Strecke uneigennützig begleitet.    .    

Bernd Paetz