Grandiose Stimmung bei der Handicap-Sitzung von BSV und AKK

erstellt am: 9. Januar 2018

Impressionen der Karnevalssitzung

Das Leben ist eine Polonaise - nein zwei, nein drei...

Grandiose Stimmung bei der Handicap-Sitzung von BSV und AKK

 Koblenz. Polonaise gefällig? Ja, gerne. Aber warum denn nur eine? Warum nicht zwei, drei oder fünf gleichzeitig? Und davon dann am liebsten mehrere nacheinander. Wenn Torty de Banana zu Gesang und Tanz bittet, dann steht der Saal nicht nur kopf, er "läuft" sogar dabei. In bester Stimmung und kreuz und quer durcheinander.

Es ist seit Jahrzehnten immer wieder dasselbe in einer der ersten großen Sitzungen des neuen Jahres am Deutschen Eck Alles läuft auf diesen Höhepunkt hinaus, auf die pure Anarchie, die dem rheinischen Karneval in seiner ausgelassensten  Form so gut zu Gesicht steht. Wenn der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV) und die AKK zur Handicap-Sitzung in die Rhein-Mosel-Halle einladen, dann ist beste Stimmung garantiert. Und wenn gegen Ende des Abends der Mann im leuchtenden goldenen Anzug das Mikrofon ergreift, dann gibt es bei vielen der mehreren Hundert Besuchern von der ersten Sekunde an kein Halten mehr.   

Es klingt absolut glaubwürdig, wenn viele der Akteure auf der Bühne immer wieder betonen, diese Sitzung, die ganz ohne Büttenreden auskommt, sei für sie die schönste in der ganzen närrischen Session. Der Grund dafür ist einfach. Das Publikum lässt sich nicht nur von denen da oben unterhalten, nein: Es versteht sich selbst als Teil des Programms.

Moderator Heinz Kölsch, der seit 24 Jahren souverän durch das Programm führt, kann nicht von ungefähr den scheidenden Oberbürgermeister im achten Jahr seiner Amtszeit zum achten Mal begrüßen. Für HoGö ist die Handicap-Sitzung ebenso wenig ein Pflichttermin wie für das jeweilige Tollitäten-Paar. Es macht einfach nur Spaß, Teil dieser grenzenlosen Narretei zu sein. Ein Spaß, den sich in diesem Jahr auch Innenminister Roger Lewentz nicht entgehen lässt.

Ein selbstverständlich fester Eintrag im Kalender ist es für die Betreuer der vielen Einrichtungen für Menschen mit körperlichen und/oder  geistigen Beeinträchtigungen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Wie immer stellt das Herz-Jesu-Haus in Kühr mit weit über 100 Teilnehmern die größte Besuchergruppe, aber auch aus dem Kloster Ebernach in Cochem sind mehr als 90 Gäste dabei. Ob die Besucher nun aus Hachenburg, Saffig oder Neuwied kommen: Sie alle lassen sich von der  närrischen Woge mitreißen, die so gewollt unkontrolliert durch den Saal schwappt.

Beeindruckende Tanz-Darbietungen der personell immer stärker werdenden AKK-Garde sowie der Formationen aus Niederberg, Horchheim, Kesselheim, Wallersheim, Metternich und von der GKKG werden vom Publikum beklatscht und bejubelt. Da ist vieles auf sehr hohem Niveau und viel mehr als karnevalistisches Beiwerk, aber dennoch weiß jeder, dass alles auf diesen einen ersehnten Moment hinaus läuft.

Torty de Banana verzichtet inzwischen auf jede Form eines ausgeklügelten Stimmungsaufbaus. Sein Auftritt kommt auch ohne künstlich erzeugte Dynamik aus. Die Power steckt im Publikum. Der Unterhaltungs-Profi von der Karthause kommt sofort zur Sache: "Wollt ihr eine Polonaise? Soll ich auf dem Tisch tanzen?" Das vielstimmige Ja aus dem Saal macht klar, was seine Fans wünschen.

Torty steuert als Kopf einer der spontan gebildeten Menschenschlangen unmittelbar einen zentralen Tisch mitten im Saal an. Er springt auf die Tischecke und schmettert sein Potpourri aus Gassenhauern. Der Saal wird zu einem einzigen Chor. Und fühlt sich so grenzenlos frei, wie dies sonst nur über den Wolken möglich scheint.       

Bernd Paetz