Sportlerehrung des BSV-Rheinland-Pfalz und Lotto Rheinland-Pfalz

erstellt am: 22. März 2017

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Sportlerehrung des BSV-Rheinland-Pfalz und Lotto Rheinland-Pfalz 

Koblenz. Es müssen nicht immer die paralympischen Medaillen sein, um im Rückblick auf ein Behindertensportjahr stolz auf die Erfolge und auf herausragende Leistungen sein zu können. Das Jahr 2016 war ein gutes für den Behindertensport im Land Rheinland-Pfalz – auch ohne paralympisches Edelmetall. Bei der traditionellen Sportlerehrung des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz (BSV) im Hause des langjährigen Partners Lotto konnten viele Titel bei Deutschen Meisterschaften und exzellente Platzierungen bei internationalen Wettbewerben gewürdigt werden.

Die Förderung des Sports im Allgemeinen und des Behindertensports im Speziellen braucht vor allem Kontinuität – und damit einen langen Atem. Wer nur auf kurzfristige Erfolge schielt, der setzt die Akzente falsch. Diese Einschätzung zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend – von der Begrüßung durch Lotto-Chef Jürgen Häfner an. Er bekannte sich dazu, dass sein Unternehmen auch in der Zukunft bei seiner Linie bleibe, den Behindertensport völlig gleichberechtigt zum Spitzensport der Nicht-Behinderten zu unterstützen.  

Ins gleiche Horn stieß Innenminister Roger Lewentz in der Talkrunde zum Thema „Förderung des Spitzensports in Deutschland“, als er die Vorreiterrolle des Landes auf diesem Gebiet herausstellte. Wie auch LSB-Präsidentin Karin Augustin versprach er, bei der Neustrukturierung der Spitzensport-Stützpunkte stets wachsam zu bleiben, dass die rheinland-pfälzischen Interessen gewahrt werden. BSV-Präsident Karl Peter Bruch wandelte auf Mark Twains Spuren, als er betonte, wie schwierig Prognosen seien (vor allem wenn sie die Zukunft betreffen): Niemand habe voraussehen können, dass das Pferd von Hanne Brenner, die aus London 2012 noch mit Goldmedaillen heimgekehrt war, sich kurz vor den Paralympics in Rio verletzen würde – und dass damit sicher geglaubtes Edelmetall eben nicht erreichbar war. Ebenso könne aber auch niemand voraussagen, wie sich eine Umstrukturierung der Stützpunkte auswirke. Wichtig sei vor allem Kontinuität. Und eben diese werde der BSV wahren – zum Beispiel durch eine Stärkung seines Boccia-Stützpunktes in Bad Kreuznach.

Die Einordnung von Leistungen der Sportler muss immer an den Bedingungen gemessen werden, unter denen sie erzielt werden. So wurde „Dauerbrenner“ Reinhold Bötzel (Rot-Weiß Koblenz) bei den Paralympics in seiner Paradedisziplin Hochsprung zwar „nur“ Neunter – damit war er aber bester Europäer. Und entsprechend gilt es, die Förderung der Sportler nicht von einzelnen Erfolgen oder Nicht-Erfolgen abhängig zu machen, sondern ihnen einen Rahmen zu bieten, der ihnen mittel- und langfristig hilft.

BSV-Vizepräsident Rolf Boettiger hatte wieder einmal die angenehme Aufgabe, durch die Ehrung selbst zu führen. Quer durch die Sportarten wurden Athleten ausgezeichnet, es gab reichlich Titel bei Deutschen Meisterschaften zu würdigen – von Bowling, Boccia und Bogenschießen über Karate, Kegeln und Leichtathletik bis hin zu Radsport, Reiten und Sportschießen.

Wie schwierig es für manche Sportler ist, ihre Wettbewerbe auszutragen, wurde am Beispiel Damen-Sitzball deutlich. Hier kann nur auf Landesauswahlebene gespielt werden, da es nicht genug Vereine gibt. Für die Sportlerinnen bedeutet dies, enorme Fahrtstrecken in Kauf zu nehmen.

Wie dominant manche Rheinland-Pfälzer in ihrer Disziplin sind, lässt sich an den Fußballtennisspielern aus dem Idar-Obersteiner Stadtteil Nahbollenbach ablesen. Sie sind auf DM-Titel fast abonniert, verloren von den rund 300 vergangenen Spielen ganze drei.

Und wie optimistisch man trotz zahlreicher Rückschläge an die nicht voraussagbare Zukunft herangehen kann, das demonstrierte die Trierer Leichtathletin Maike Hausberger mit natürlicher Fröhlichkeit. Sie war vor den Paralympics in Brasilien von mehreren  Verletzungen zurückgeworfen worden und war nur dank einer Energieleistung – und mit  Hilfe des BSV, der ein zusätzliches Trainingslager unterstützte – noch auf den Zug (bzw. Flieger) nach Rio aufgesprungen. Sie will sich stärker von der Mittelstrecke in Richtung Para-Triathlon orientieren: „Wenn ich nach soviel Pech jetzt das entsprechende Glück habe, bis 2020 von Verletzungen verschont zu bleiben, dann hole ich vielleicht Gold – und über 400 Meter vielleicht auch noch.“

Ein bisschen Wehmut kam auf, als sich zum Ende der Ehrung erfolgreiche Sportler von ihrer Aktiven-Zeit verabschiedeten: die Sitzvolleyballer Heiko Wiesenthal und Christian Heinz und die Reiterin Britta Näpel. Wobei Britta Näpel in herausragender Funktion dem rheinland-pfälzischen Behindertensport erhalten bleibt – als Vizepräsidentin des BSV.