Boccia BC4 Neulinge lassen Potenzial aufblitzen - Boccia Continental Cup in Spanien

Leistungsport

In der Woche vor Ostern reisten 5 deutsche Boccia Spieler nach Sant Cugat in der Nähe von Barcelona. Der Continental Cup ist eines der neuen Turnierformate des internationalen Boccia Verbandes und kommt einer erweiterten Europameisterschaft gleich. Die in der Weltrangliste 10 besten Mannschaften Europas plus 2 Wild Card Plätze waren in jeder der 4 Startklassen startberechtigt.

Im Paarwettbewerb der Rampenspieler, BC3, starteten die erfahrenen 3 Bad Kreuznacher Andreas Welzel, Thomas Knoth und Petra Benharkat. Sie erwischten eine schwere Gruppe. Gegen Großbritannien missriet leider der Beginn. Gegen das extrem lange Anspiel von Scott McCowan auf 9,50 (bei 10 m Feldlänge) gerieten Andreas Welzel und Thomas Knoth unter Zeitdruck, die Bälle waren in der Länge zu unpräzis, so dass es gleich 0:4 hieß. Thomas Knoth realisierte nicht, dass sich ein Hinterrad auf die Begrenzungslinie seiner Box gedreht hatte und verlor dadurch sein eigenes Anspiel des weißen Zielballs. Zur Halbzeit hieß es 0:5. Petra Benharkat als Spezialistin für langes Spiel wurde planmäßig von Trainer Jürgen Erdmann-Feix eingewechselt. Doch auch in den weiteren 2 Durchgängen sammelten die Briten ihre Punkte und siegten am Ende mit 10:0. Das war aber noch kein Beinbruch, weil die ersten beiden weiterkamen in die Endrunde.

Frankreich war im vergangenen Jahr das stark aufstrebende BC3 Paar. Es entwickelte sich ein äußerst spannendes Spiel. Nach 0:1 und Führung mit 1:0 in der 2.Runde entschied sich Thomas Knoth zu einem riskanten Drückball, weil eine gute Chance für 2 Punkte bestand. Leider wurde der Mut nicht belohnt, sein Ball driftete 1-2 Ballbreiten nach rechts und drückte den französischen Ball an den Jack. Statt dem erhofften 2:1, hieß es 0:2. In Runde 3 erkämpften die Deutschen den Anschluss und führten vor den letzten beiden Bällen mit 1:0, was Tie Break bedeutet hätte. Doch die Franzosen machten perfekt mit einem Schussball den Weg frei, um mit dem letzten Ball das Blatt zum 1:3 zu wenden. Platz 10 in der Endabrechnung war nicht das erhoffte Ergebnis.

Die, bei der strengen Klassifizierung, erfreulicherweise bestätigten neuen BC4 Spieler Boris Nicolai und Bastian Keller starteten sensationell. Das 3:2 im Paar gegen die erfahrenen Portugiesen hatte in der Halle von Sant Cugat niemand erwartet. Den weiteren Turnierverlauf schildert ihr persönlicher Bericht. Platz 6 in der Endabrechnung katapultiert sie vom Leistungspotenzial gleich mitten in die Top Ten Europas. Den ersten Weltranglistenpunkten folgen gewisse weitere.

Kompliziert war das neue System zur Vergabe von Startplätzen für die Einzelkonkurrenz. Es gab Bewerbungen für neu klassifizierte Spieler oder Einzelstarter für Länder die keine Mannschaft stellen konnten für die in der Anzahl begrenzten Startfelder. Leider erwischte es dadurch Bastian Keller, der nicht im Einzel spielen durfte.

Boris Nicolai bestätigte im Einzel die Leistung des Paar Ergebnisses mit einem 5:3 Sieg gegen Martin Streharsky aus der Slowakei, der immerhin gesetzter Spieler in der Turniersieger Mannschaft war. Auch die 1:4 Niederlage gegen Keiran Steer, Großbritannien, dem späteren Sieger war auf Augenhöhe. Ein toller Einstand, der berechtigte Hoffnungen weckt für die deutsche Boccia Zukunft in BC4. Diese Startklasse ist die Kategorie für Spieler ohne Koordinationsstörung, d.h. es spielen vor allem Athleten mit Muskelerkrankung, hohem Querschnitt oder verkürzten und versteiften Armen.

Im Einzel der Rampenspieler wurde jeweils in 4er Gruppen gespielt. Thomas Knoth erwischte einen tollen Start mit einem 4:2 Sieg gegen die Lokalmatadorin Sandra Pena. Leider fiel die Niederlage gegen den Top-Briten Scott McCowan mit 1:8 zu deutlich aus. Im Spiel gegen den Kroaten Kovacic war der Druck, viele Punkte machen zu müssen, leider nicht produktiv. Der 6:5 Sieg brachte ihn zwar auf Platz 2 der Gruppe, am Ende fehlten aber 9 Bälle zum Weiterkommen in die Endrunde.

Andreas Welzel startete katastrophal. 8 Strafbälle in den ersten beiden Runden waren vernichtend. Da stand es 0:12. Dies ist umso ärgerlicher, da das 5:0 in Runde 3 und 4 (Endergebnis 5:12) zeigte, dass er durchaus eine Chance gegen Hogrell aus Schweden hatte. Gegen den Vorjahres World Open Sieger Luis Silva aus Portugal spielte er solide mit, doch war dieser beim7:0 einfach besser. Eine schlechte Runde mit 0:4 brachte gegen Burjanek mit 2:5 die dritte Niederlage.

Leider musste auch Petra Benharkat 3 Niederlagen hinnehmen, davon eine auf dem Papier. Gegen Maria Bjurström aus Schweden führte sie 3:2 vor der letzten Runde, in der ihr zu viele Bälle seitlich vorbei und zu lang gerieten, was ihre Gegnerin brutal zum 3:7 ausnutzte. Ebenbürtig war das Match gegen den späteren Silbermedaillen Gewinner Armando Costa aus Portugal, das dann aber 1:4 verloren ging. Dann geschah der Faux Pas, dass durch einen Irrtum die Call Room Zeit um eine Minute verpasst wurde. Im Boccia gibt es dann keine Gnade. Das Spiel war kampflos verloren.

Das Fazit: Für die Rampenspieler war es ein Turnier, in dem wenig Erfolge zu verzeichnen waren, aber viele Erkenntnisse und Trainingsziele gewonnen wurden. Sie haben sehr bald Gelegenheit sich erneut zu beweisen. Vom 16.-19.April reisen sie zu einem Turnier nach Belgien. Die Leistung der BC4 Spieler stimmt optimistisch. Dabei war es auch die Abstimmung im Paar und das taktische Vermögen, die in der kurzen Zeit von 4 Monaten Trainingszeit im Boccia Natio Team schon erreicht wurden.