Boccia Nationalmannschaft erneut erfolgreich in Polen
Leistungsport


Motto: Der erste Schritt nach Rio 2016
Am 17.11.2012 fand der Polen-Pokal „der erste Schritt nach Rio 2016“ in Wagrowiec bei Posen statt. Die deutsche Boccia Nationalmannschaft wurde als Ehrengast zu diesem Turnier eingeladen. Die Wettkämpfe fanden diesmal in Form von Paar Wettbewerben statt.
Die Rampenspieler, Klasse BC 3, repräsentierten Thomas Knoth und Andreas Welzel aus Bad Kreuznach, also 2 Spieler, die auch im Landeskader des BSV Rheinland-Pfalz sind. Sie trainieren im Paralympischen Trainingsstützpunkt Boccia in Bad Kreuznach unter Landes und Bundestrainer Jürgen Erdmann-Feix. Die Klasse BC 2 besetzten Manuel Wolfsteiner aus München und Thomas Weber aus Markgröningen.
In der Klasse der Rampenspieler, also der schwerst behinderten Athleten, waren insgesamt 5 Paare am Start. Es wurde Jeder gegen Jeden gespielt. Im 1. Spiel war im gegnerischen Team aus dem polnischen Grünberg (Zielona Gora)eine vergleichsweise fitte Spielerin mit Gelenkversteifung (Arthrogryposis), die beim bevorzugten Spiel der Rheinland-Pfälzer in die extremen vorderen Winkel gut mithalten konnte. Ihr Spielpartner zeigte dabei aber Schwächen. Eine Runde wurde abgegeben, doch am Ende hieß es deutlich 9:2 für Knoth/Welzel. Im 2.Spiel war Posen der Gegner. Auch hier zeigten die Deutschen eine konzentrierte Leistung und siegten klar 11:0. Das Paar aus Zamosc, Ostpolen, entpuppte sich als starker Konkurrent. Immerhin spielt hier auch der polnische Einzelmeister mit. Die ersten beiden Runden waren hart umkämpft auf hohem Niveau, konnten aber jeweils mit 1:0 gewonnen werden. Auch die jeweils 3 Punkte aus Runde 3 und 4 mussten durch taktische Raffinesse erkämpft werden. Am Ende drückt der 8:0 Sieg nicht die engen Spielentscheidungen aus.
Es kam zufällig zu einem Endspiel. Warschau hatte auch 3 Spiele gewonnen. Voller Konzentration und abgeklärt spielten die Kreuznacher bis zum letzten Ball, wohingegen den Gegnern in diesem Bereich der lange Turniertag anzumerken war. Den Rheinland-Pfälzern gelang ein unerwarteter Kantersieg mit 18:0 – eine starke Leistung. Ein schöner Pokal und Plaketten waren der Lohn für die gute Team Leistung. Das kontinuierliche Training am Stützpunkt in Bad Kreuznach zeigte bei diesem Turnier seine Früchte. Vor allem die Taktik Absprachen der Spielpartner sind mittlerweile auf hohem Niveau. Wichtiger Baustein sind auch die kompetenten Assistentinnen Doris Heinlein und Nadine Knöppler, die nun seit ca. 2 Jahren verlässlich zur Seite stehen. Ihre Handgriffe sitzen und die Kommunikation der Athleten zu Ihnen ist schnell und klar. Die Assistenten selbst dürfen ja während des Wettkampfes nicht reden und keinesfalls zu den Bällen schauen.
Sehr viel Aufmerksamkeit erhielten die Rampen der deutschen Mannschaft. Die polnischen Spieler und Trainer bewunderten die besondere Technik der selbstgebauten Geräte der Spieler aus Bad Kreuznach.
Abenteuerlich war wieder mal die Reise. Die zugesicherte Ausstiegshilfe in Posen entpuppte sich in geballter Muskelkraft von 5 Männern. Die einzige Hebebühne Polens befindet sich in Warschau, wie später zu erfahren war. Andreas Welzel, wurde in Polen also aus dem Zug gehoben, auf der Rückreise wieder hinein. E-Rollstuhl und Sportler wiegen zusammen ca. 250kg. In Polen erfolgte dies ohne große Worte, in Deutschland hätte das wohl ein Riesen Problem ergeben.
Für alle Starter gab es ein Trikot als Präsent. Dies hat die Aufschrift „der erste Schritt nach Rio 2016“, wovon nicht nur die polnischen Spieler träumen – eine schöne Motivation und mit diesem Erfolg hoffentlich gutes Omen.
Jürgen Erdmann-Feix
