BSV-Sportlerportrait: Boccia brachte nach dem zweiten Schlaganfall neuen Lebensmut

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Der 66-jährige Karl-Heinz Benz ist ehrgeizig, aber nicht verbissen

Budenheim/Frankenthal.  Sport war für ihn immer wichtig, vor allem Fußball – und so hatte es eine ganz besondere Tragik, dass ihn ausgerechnet bei der geliebten Kickerei der erste gesundheitliche Schicksalsschlag traf: Karl-Heinz Benz rannte vor ziemlich genau 20 Jahren dem runden Leder bei einem Spiel seiner Firmenmannschaft hinterher. Auf dem Platz erlitt er seinen ersten Schlaganfall – schlagartig war es aus mit dem Fußballspielen.

Von der ersten schweren Erkrankung erholte sich der Technische Angestellte bei der BASF nach einer Herzoperation noch ganz gut, der gebürtige Ludwigshafener konnte sogar seine Arbeit nach einigen Monaten wieder aufnehmen: „Ich habe damals viel trainiert und dann wurde es langsam immer besser,“ sagt Karl-Heinz Benz. Doch fast genau zehn Jahre später folgte der zweite Schlaganfall mit noch schwereren Folgen. Eine halbseitige Lähmung zwang ihn fast ein Vierteljahr lang in den Rollstuhl. Danach war er nicht nur physisch schwer angeschlagen, sondern auch psychisch.

Neuen Lebensmut schöpfte der heute 66-Jährige in der Schlaganfall-Gymnastikgruppe der BSG Frankenthal. Als BSV-Fachwart Heinz Baumeister ihn 2006 ansprach, ob er nicht in der neuen Boccia-Gruppe mitmachen wollte, musste Karl-Heinz Benz nicht lange überlegen: „Mit dem Ball habe ich ja immer am liebsten Sport gemacht und beim Boccia braucht man auch Ballgefühl.“ Die kleinen blauen oder roten Lederkugeln, die er seitdem möglichst nahe an den weißen Jack zu werfen versucht, sind für ihn zur neuen sportlichen Herausforderung geworden: „Ich war immer ehrgeizig, wenn ich Sport getrieben habe – und das bin ich auch beim Boccia.“

Sein Ehrgeiz wurde sehr schnell befriedigt: „Wir sind 2006 auf Anhieb mit unserer Mannschaft Deutscher Vizemeister geworden“, erinnert sich Karl-Heinz Benz nicht ohne Stolz. Es folgten zwei Landesmeister-Titel und zwei Vizemeisterschaften auf Landesebene. Ehrgeizig ist er immer noch, obwohl er den sportlichen Erfolg nicht verbissen anpeilt: „Man muss immer akzeptieren, wenn andere besser sind. Man muss halt nur versuchen, selbst das Beste zu geben.“

Lockerer geworden ist der Kaiserslautern-Fan auch, was seinen FCK angeht: „Natürlich würde ich mich freuen, wenn der FCK wieder aufsteigt, aber ich bin da nicht mehr so verrückt wie früher.“ Viel wichtiger als der reine Erfolg ist dem in Frankenthal heimisch gewordenen Karl-Heinz Benz, dass er bei seinem Sport Kontakt zu anderen Menschen mit Behinderung gewonnen hat. Die verstehen ihn und seine Probleme, das hat ihm bei seinem Neuanfang nach dem zweiten Schlaganfall sehr geholfen. Und es hilft ihm heute noch genauso: Donnerstag ist Boccia-Tag für Karl-Heinz Benz. Einmal die Woche wird trainiert. Für größtmögliche Fitness und dauerhaften Lebensmut.

Bildtext: Karl-Heinz Benz hat durch das Boccia-Spiel nach seinem zweiten Schlaganfall neuen Lebensmut gewonnen. Er ist mit Ehrgeiz bei der Sache, aber ohne Verbissenheit. (Pressetext: Bernd Paetz)