Die regionale Klammer zwischen Olympia und den Paralympics
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Erstes Inklusions-Sport- und Spielfest des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz (BSV) übertraf alle Erwartungen
Mülheim-Kärlich. Der Termin konnte wohl kaum passender gewählt werden: Zwischen den Olympischen Spielen und den Paralympics hat der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV) sein erstes Inklusions-Sport- und Spielfest platziert – quasi als Klammer zwischen den beiden sportlichen Großveranstaltungen in Brasilien. Menschen mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam Sport treiben und Spaß an der Bewegung haben.
Dass dies möglich ist, zeigte die Premiere: Rund 700 Teilnehmer kamen bei herrlichem Sommerwetter nach Mülheim-Kärlich bei Koblenz – gut die Hälfte davon waren Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Beeinträchtigung aus einer von rund 25 rheinland-pfälzischen Einrichtungen. Aber auch viele Menschen ohne eine Beeinträchtigung waren dabei – aus Altenheimen, Schulen und Kindertagesstätten.
Inklusion ist im Alltag offenkundig problemlos lebbar. Man muss sie nur wollen. Bei Sport und Spiel geht es besonders einfach: Egal, ob man um die Wette rennt, ob man durch einen Hindernis-Parcours Slalom läuft (oder mit dem Rollstuhl rollt) oder ob man bei einem der vielen Geschicklichkeitsspiele fängt oder wirft – das Miteinander macht den meisten einfach nur riesigen Spaß.
Die zeitgemäße Weiterentwicklung des Spielfestes, das in den vergangenen Jahren schon in Mülheim-Kärlich ausgetragen wurde, stieß mit der bewussten Öffnung für Menschen ohne Behinderung auf eine enorme Resonanz. Auf Landesebene wurde also erfolgreich ein Weg beschritten, der weltweit noch undenkbar wäre: Olympische Spiele und Paralympics als gemeinsames Event.
Dominic Holschbach, Sportreferent beim BSV und Chef-Organisator der neuen Großveranstaltung, war hocherfreut über den in diesem Ausmaß nicht zu erwartenden Zuspruch: „Es zeigt sich, dass das Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung genau der richtige Weg ist. Die Zahl der Teilnehmer mit Beeinträchtigung ist deutlich höher als bei den früheren Sport- und Spielfesten, die wir im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt haben. Und dazu kommen noch einmal fast genauso viele Menschen, die ganz bewusst dabei sein wollen, obwohl sie selbst keine Beeinträchtigung haben.“
So sieht es auch Susanne Martiny, stellvertretende Leiterin der Kindertagesstätte St. Sebastian. In der Ortsgemeinde nördlich von Koblenz wird seit rund fünf Jahren Inklusion aktiv gelebt. In fast jeder der sechs Gruppen sind Kinder mit einer Beeinträchtigung ganz natürlich in den Alltagsbetrieb integriert. Für sie war es deshalb auch keine Frage, dass sie mit 12 Kindern, die im kommenden Jahr in die Schule gehen, am Inklusions-Sport- und Spielfest teilnahm: „Für uns in der Kita ist Inklusion eine Selbstverständlichkeit, die Kinder gehen mit ihren Spielkameraden, die eine Beeinträchtigung haben, genauso um wie mit denen, die keine haben. Für uns war sofort klar, dass wir bei dem Spielfest dabei sind. In der Kita haben wir zusätzliche Integrationskräfte, die die Kinder mit einer Beeinträchtigung individuell fördern. Es gibt keinerlei Probleme, die sich nicht lösen lassen: Man muss nur nach den richtigen Möglichkeiten suchen. Das klappt immer, wenn man es will.“
Und so wechselten sich denn auch die Kita-Kinder aus St. Sebastian an den einzelnen Spiel-Stationen ganz selbstverständlich immer wieder mit Teilnehmern ab, die zum Teil schwere Beeinträchtigungen haben. Susanne Martini sieht darin noch einmal einen Schub für den Inklusions-Alltag in der Kita: „Die Kinder sehen hier Menschen mit deutlich stärkeren Beeinträchtigungen, als sie es von der Kita her kennen. Das wird für neue Gespräche sorgen, weil die Kinder völlig unbefangen dazu Fragen stellen werden.“
Kooperationspartner des BSV waren die Sport-Leistungskurse des Gymnasiums Mülheim-Kärlich, „Die Schule“ Koblenz und der Sportbund Rheinland. Mehr als 100 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf.
Unabhängig von der erbrachten Leistung erhielt jeder Teilnehmer eine Teilnehmermedaille- und -urkunde. Rund 60 Sportler nutzten auch die Möglichkeit, Teildisziplinen des Sportabzeichen zu absolvieren.
Für den Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz und für alle Teilnehmer war das erste Inklusions-Sport- und Spielfest ein grandioser Erfolg.

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