Im Sport finden behinderte Menschen viele Chancen

Breitensport Vereine

Beispiel Schütze Kevin Zimmermann. Für Kevin Zimmermann ist Inklusion in ihrer reinen Definition ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist es für den erfolgreichen Sportler des Wissener Schützenvereins eine Selbstverständlichkeit, dass er als Rollstuhlfahrer zusammen mit nicht behinderten Schützen eine Mannschaft bildet und um Meisterschaftspunkte und Pokale schießt. Auf der anderen Seite plädiert er für den Erhalt spezieller Schießwettbewerbe für behinderte Menschen. „Sonst ginge für manchen ein Erfolgserlebnis flöten“, sagt der 32-jährige Wissener.

Letztlich sind das zwei Seiten einer Medaille, die Kevin Zimmermann sozusagen schon oft in der Hand gehalten hat. Als einer von nur wenigen behinderten Schützen in Deutschland übt er seinen Sport zweigleisig aus. Mit der ersten Mannschaft des Wissener SV ist er kürzlich Rheinlandmeister geworden und peilt den Aufstieg in die Zweite Bundesliga an. Dort misst sich Kevin Zimmermann mit den „Fußgängern“, wie er sagt. Darüber hinaus nimmt er regelmäßig an den Turnieren und Wettbewerben der behinderten Schützen teil, ist zum Beispiel seit 2007 im Landeskader aktiv.

Dass er so weit kommen konnte, hat auch etwas mit Inklusion zu tun. Als zwölfjähriger Schüler habe er mit dem Schießsport begonnen, sagt Zimmermann, und von Beginn an seien die Trainer und die übrigen Schützen in Wissen „immer völlig normal“ mit ihm umgegangen. Auch abseits des Schießstandes, etwa bei Vereins- und Schützenfesten. Schnell entdeckte er das Luftgewehr als sein Lieblingssportgerät. Vergünstigungen am Schießstand gibt es aber nicht. „Das will ich auch gar nicht“, sagt Zimmermann, der aufgrund einer vorgeburtlichen Wirbelsäulenschädigung (Spina bifida) schon sein Leben lang auf den Rollstuhl angewiesen ist. Seine Ausrüstung unterscheidet sich kaum von der der „Fußgänger“, lediglich die Sportjacke ist kürzer, und auf die stabilisierende Sporthose kann er verzichten. Ein höheres Kissen sorgt für die richtige Sitzposition. Zigfach hebt er im Training und bei Wettkämpfen das immerhin 5,5 Kilogramm schwere Luftgewehr an. Überhaupt sei das Sportschießen „reine Kopfsache“, beschreibt Kevin Zimmermann, „der Rollstuhl war nie ein Thema.“

An dieser entspannten Sicht ist Vater Joachim Zimmermann nicht ganz unschuldig. Er unterstützt das Hobby seines Sohnes, fährt ihn, begleitet ihn. Schießen ist ein guter Sport für Behinderte, unterstreicht er. Baulich stimmt das fast überall: Bis auf wenige Ausnahmen, im Kreis Altenkirchen vorwiegend bei älteren Anlagen, sind die Schießstände alle rollstuhlgerecht. Joachim Zimmermann ist auf diesem Weg beinahe zwangsläufig zum Fachwart für Schießsport im Behindertensportverband Rheinland-Pfalz geworden. Generell sei der Sport ein gutes Feld für die Integration behinderter Menschen. 2009/2010 habe der Deutsche Schützenbund seine Statuten geändert und sich den Behinderten geöffnet. Dennoch hält auch er den separaten Schießsport der Behinderten für sinnvoll. Dass es dort keine Ligawettkämpfe gebe, hänge nicht zuletzt auch mit der Quantität und Qualität der behinderten Sportler zusammen.

Kevin Zimmermann, der 2012 nur knapp die Qualifikation für die Paralympics in London verpasst hatte, nennt indes neue Ziele: 2013 die Europameisterschaft in Alicante, 2014 die Weltmeisterschaft in Suhl. „Und Rio de Janeiro soll auch ganz schön sein“, blickt er augenzwinkernd auf die Paralympics 2016 in Brasilien. Da das Leben aber nicht nur aus Freizeit und Hobby besteht, hat der junge Mann freilich auch ein berufliches Ziel: Gerne würde der gelernte Bürokaufmann seinen befristeten Job bei der Arbeiterwohlfahrt in Betzdorf behalten.elm

Er ist ein Beispiel für Inklusion im Freizeitbereich: Kevin Zimmermann vom Wissener Schützenverein. Foto: Hering