Internationale Ausbildung in Rheinland-Pfalz

Aus- und Weiterbildung

Qualifizierung von Ausbildern im Behindertensport aus Tunesien und Ruanda, mit Unterstützung des Auswärtigen Amts.

Die internationale Ausbildung der Partnerverbände des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz, dem regionalen Behindertensportverband der Region Nabeul/Tunesien und dem Nationalen Paralympischen Komitee von Ruanda, fand vom 10. bis 20. August 2012 in der Sportschule des Südwestdeutschen Fußballverbandes in Edenkoben statt.

 

Ziel des Lehrgangs war es Ausbilder zu sensibilisieren und Handlungskompetenzen zu entwickeln, um so den Anstoß zu geben ein Ausbildungssystem für den Breitensport für Menschen mit Behinderung in den jeweiligen Ländern zu etablieren. Ziel war es weiterhin einen Erfahrungsaustausch zwischen Fachrepräsentanten der 3 beteiligten Länder herbeizuführen.

Die Teilnehmer 5 Diplomsportlehrer mit Studienschwerpunk "Sport mit Handicap" aus Tunesien, darunter der Präsident des Regionalen Behinderten Sportverbandes der Region Nabeul, Herrn Mohamed Jameleddine TAJOURI. Aus Ruanda kam Herr Elie MANIRARORA, Vizepräsident sowohl des Nationalen Paralympischen Komitees als auch des NOKs von Ruanda, er wurde von Trainern auf nationales Niveau und einer Pädagogin begleitet. Christoph Sagner, Vizepräsident für Aus und Fortbildung des BSV-RLP und ständiges Mitglied im Bundeslehrausschuss des Deutschen Behindertensportverbandes leitete den Lehrgang. Mit Peter Richarz konnte der Trainer der deutschen Rollstuhlnationalmannschaft und Chef Lehr- und Trainerkommission im Deutschen Rollstuhlsportverband gewonnen werden. Rudi Sonnenbichler, 20 Jahre Trainer der deutschen Frauenvolleyballnationalmannschaft und amtierender Nationaltrainer der deutschen Sitzvolleyballnationalmannschaft, war ein weiteres Schwergewicht des deutschen Sports in der Ausbildung.

Im Mittelpunkt stand die Botschaft der Breitensport das Fundament für den Wettkampfsport. Nach dem Austausch der individuellen Vorstellungen über die Inhalte des Lehrgangs diskutierten wir über den Stellenwert des Sports und seiner Aufgaben innerhalb der Gesellschaft. Wir fragten uns: Welches Lern‐ und Bildungsverständnis liegt zugrunde, führt gemeinsames Sporttreiben zu mehr Respekt untereinander, hinterfragten das Rollenverständnis Mann/Frau und sprachen über die Ganzheitlichkeit von körperlicher, geistiger und sozialer Bildung. Was leistet Sport zur Gewaltprävention, werden Entfaltungsmöglichkeiten im und mit Sport in unterschiedlicher Kulturen, Religionen, bei unterschiedlichem Bildungsstand, Alter Geschlecht usw. gefördert? Am nächsten Tag lag der Schwerpunkt auf dem Erwerb von Handlungskompetenz als Leitziel für alle Ausbildungen Handlungskompetenz schließt Sozialkompetenz, Fachkompetenz, Methoden‐ und Vermittlungskompetenz sowie strategische Kompetenz ein und ist die Basis für engagierte, motivierte Eigenaktivität. Kompetenzen kann man anderen nicht vermitteln; man kann ihnen nur helfen, sich auf der Grundlage des vermittelten Wissens und Könnens Kompetenzen selbst anzueignen. Im Didaktisch methodischen Bereich ging es um Umgang mit Verschiedenheit / Geschlechtsbewusstheit (Gender Mainstreaming, Diversity Management). Teilnehmerinnen‐ und teilnehmerorientierte Bildungsarbeit schließt den bewussten Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit von Menschen z. B. in Bezug auf Geschlecht/Gender, Nationalität, ethnische Zugehörigkeit, religiöse Überzeugung, Behinderung, sexuelle Orientierung etc. mit ein. Das Leitungsteam ist bemüht, erforderliche Rahmenbedingungen und ein Klima der Akzeptanz zu schaffen, in dem Verschiedenheit als Bereicherung empfunden wird. Als übergeordnete Dimension von Verschiedenheit muss teilnehmerinnen‐ und teilnehmerorientierte Bildungsarbeit vor allem "geschlechtsbewusst" sein, also die besonderen Sozialisationsbedingungen, Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnisse von Mädchen/Frauen bzw. Jungen/Männern im Blick haben. Weitere Schwerpunkte waren Prozessorientierung, Teamgeist und Reflexion des Selbstverständnisses.

In der begleiteten Praxis haben wir beispielhaft gearbeitet und den Transfer zu einzelnen Behinderungsformen bzw. chronischen Erkrankungen hergestellt. Spielerische Angebote, Outdoor Sport, Basis Technik für den Rollstuhlsport bis zur Erarbeitung der Techniken im Sitzvolleyball bereicherten die Ausbildung auf der praktischen Seite. Ein Tag war dem Kennlernen der Pfalz mit Besuch des Deutschen Schuhmuseum und Sportmuseums der Pfalz in Hauenstein und einer Besichtigung des Betzenbergs mit Stadionführung in Kaiserslautern gewidmet. Hagen Herwig, Geschäftsführender Präsident des BSV Rheinland-Pfalz, und Olaf Röttig als Geschäftsführer nutzen den Tag zu einem regen Austausch mit den Teilnehmern. Dieter Noppenberger, Präsident des Sportbund Pfalz und Martin Schwarzweller, als dessen Geschäftsführer, ließen es sich nicht nehmen die Teilnehmer in Kaiserslautern bei einem gemeinsamen Mittagessen kennenzulernen.

Die letzen Tage des Lehrgangs waren der Planung und Reflexion von Unterricht vorbehalten. Strategien zur Analyse und Bewertung von Unterrichtspräsentationen wurden erarbeitet. Anschließend wurde jeweils von den ruandischen und den tunesischen Teilnehmern ein Gegenstandskatalog für eine Basisausbildung (Behindertensport) für die jeweiligen Länder von 120 Stunden erarbeitet und vorgestellt. Zum Abschluss reflektierten die Teilnehmer den Lehrgang und zogen Resümee. Die Statements beschrieben die hohe Qualität des Lehrgangs und seiner Referenten die gelungene Mischung aus Theorie und Praxis, sowie die beispielhafte Strukturierung didaktischer, methodischer und pädagogischer Inhalte. Bemerkenswert der rege Austausch der Teilnehmer untereinander wie sieht das System Behindertensport aus welche Chancen gibt es, wo liegen die Schwerpunkte und vor allem was setzen wir in absehbarer Zukunft um. Welche Vernetzung ist möglich z. B. mit Universitäten.

Möglich wurde die Veranstaltung durch die Unterstützung des Auswärtigen Amts, des Ministeriums des Inneren, für Sport und Infrastruktur des Landes Rheinland-Pfalz und des Landessportbunds Rheinland-Pfalz. Vielen Dank an unsere Dolmetscherin Nedia Zouari (Sportjugend Rheinland-Pfalz). Richten wir den Blick nach vorne und erwarten konstruktive Umsetzungen bei unseren Freunden aus Ruanda und Tunesien.

Ein Bericht von Christoph Sagner

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer