Landesschwimmfest Nassau 28.08.2013 und Gesamtergebnisliste
Breitensport VereineDie rote Badekappe macht den kleinen Unterschied
37. Landesschwimmfest des BSV Rheinland-Pfalz für Menschen mit geistiger Behinderung
Nassau. Sportlicher Wettkampf und Spaß in und am Wasser: Das Landesschwimmfest für Menschen mit geistiger Behinderung, das der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV) am Mittwoch, 28. August, bereits zum 37. Mal ausrichtete, bot den mehr als 250 Teilnehmern aus 29 Einrichtungen und Vereinen wieder mal einen Tag, den viele so schnell nicht vergessen werden. Ein großer Dank gilt auch allen Partnern der Veranstaltung: Special Olympics Rheinland-Pfalz, der DLRG Ortsgruppe Nassau und den Heimen Scheuern sowie unserem neuen Sponsor, der PSD-Bank Koblenz.
Es ist eines der traditionsreichsten Sport-Events für Menschen mit geistiger Behinderung. In früheren Jahren wurde die Großveranstaltung als Landesmeisterschaft in Koblenz ausgetragen, doch nun läuft sie mit sehr großem Erfolg schon seit mehr als 10 Jahren in Nassau. Vor allem dank der engagierten Helfer des DLRG hat sich die Stadt an der Lahn als Austragungsort bewährt und etabliert.
Die roten Badekappen machten den für viele Teilnehmer kleinen, aber wichtigen Unterschied aus: Erstmals bestand auf Nachfrage in diesem Jahr die Möglichkeit, exakt nach dem Regelwerk von „Special Olympics“ zu schwimmen und sich somit für weitere SO-Wettkämpfe – vor allem die Nationalen Spiele in Düsseldorf 2014 – zu qualifizieren. Dies bot für sportlich ambitionierte Schwimmer einen zusätzlichen Anreiz. Die Qualifikations-Option sorgte auch dafür, dass das Teilnehmerfeld nicht auf die Landesgrenzen beschränkt blieb. So reiste zum Beispiel auch aus Oberhausen eine größere Gruppe an, um die Special-Olympics-Normen zu erfüllen.
Der „Fest-Charakter“ bleibt dem BSV Rheinland-Pfalz neben dem Wettkampf-Gedanken aber sehr wichtig und wird weiterhin betont: Es sollen alle teilnehmen können, die an diesem Tag einfach Spaß im Wasser haben möchten. Am Ende bekommt jeder eine Medaille, keiner geht mit leeren Händen nach Hause.
Das war zum Beispiel für die 47-jährige Beate ausreichend Motivation, zum ersten Mal am Landesschwimmfest des BSV teilzunehmen. Sie lebt im Hunsrück und arbeitet in den Rhein-Mosel-Werkstätten in Kastellaun. Beate schwimmt gern und für sie ist die Teilnehmer-Urkunde schon sportliches Ziel genug: „Ich muss gar nicht gewinnen, Hauptsache ich bin dabei. Das ist für mich vor allem ein schöner Ausflug.“
Andere sind da deutlich ehrgeiziger, zum Beispiel der 50-jährige Wolfsgang. 37 Jahre lang lebte er in der Stiftung Scheuern und wohnt jetzt seit zwei Jahren extern. Dem Sport fühlt er sich schon seit Jahrzehnten verbunden, beim Landeschwimmfest ist er seit rund 30 Jahren Dauergast. Wolfgang ist sehr optimistisch, dass er sich in Nassau für die Nationalen Wettkämpfe in Düsseldorf im kommenden Jahr qualifizieren wird. Und das ist angesichts seiner sportlichen Vielseitigkeit nachvollziehbar: „Ich habe schon eine ganze Reihe Goldmedaillen gewonnen, beim Schwimmen, im Langlauf und auch bei der Leichtathletik.“ Er hat fast schon das Zeug zum Zehnkämpfer, denn er trainiert Speer, Diskus, Weitsprung und mehrere Lauf-Disziplinen.
Die 38-jährige Nicole, die seit rund 20 Jahren in der Stiftung Scheuern lebt, ist in Nassau nun schon länger als ein Jahrzehnt Stammgast beim Landesschwimmfest. Sie kann sich ganz auf den Spaß am Schwimmen konzentrieren, denn die Qualifikation für die Nationalen Spiele in Düsseldorf hat sie schon in der (Bade-)Tasche. „Mir gefällt hier einfach alles, hier ist es immer schön“, sagt die junge Frau, die auch schon im Ski-Langlauf mehrfach Gold gewonnen hat und die außerdem gern Tischtennis spielt. Die Unterstützung durch ihre Familie ist Nicole bei ihren sportlichen Aktivitäten besonders wichtig: „Mein Vater organisiert meine Reisen zu den Wettkämpfen immer, sonst ginge das gar nicht.“
Auch der 23-jährige Tobias, der bei seiner Familie in Jünkerath lebt, kann sportlichen Erfolgen durchaus etwas abgewinnen – es müssen aber nicht nur die eigenen sein: „Das ist hier wie in einer großen Sport-Familie, da macht es mir am meisten Spaß, die anderen anzufeuern.“ Wenn Tobias aber die rote Badekappe überzieht, dann will er schon auch selbst erfolgreich sein: „Ich habe bei Special Olympics schon mal in Paderborn eine Silbermedaille gewonnen und auch hier in Nassau will ich über 50 Meter Brust und in der Staffel gut sein.“ Bernd Paetz
