Rundes Vereinsjubiläum – Vierzig Jahre IG Therapeutisches Reiten Rhein-Nahe
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Runde Geburtstage zu feiern ist eine schöne Tradition – und wer wie die IG Therapeutisches Reiten Rhein-Nahe auf vierzig Jahre Vereinsgeschichte zurückblickt, vollzieht dabei auch eine ganz wichtige Entwicklung mit: Die Anfänge des Vereins fallen mit dem Beginn des Therapeutischen Reitens hierzulande zusammen. Wenn die Erste Vorsitzende Dr. Susi Fieger heute stolz behaupten kann „Unsere Fachkräfte, Förderer und Ehrenamtlichen müssen nicht lange über Inklusion oder Integration diskutieren – in unserem Verein wird sie unkompliziert umgesetzt.“ liegt dies auch daran, dass vor vierzig Jahren und mehr ganz mutig Neuland beschritten wurde.
Vor etlichen Jahrzehnten begann hierzulande die Geschichte des Therapeutischen Reitens. Hier und da versuchte man zunächst meist eigeninitiativ, die Lebensqualität auf vielfältiger Weise benachteiligter Menschen durch das Erlebnis „Pferd“ zu verbessern. In diese Zeit fallen auch die Bemühungen des Wiesbadener Ehepaares Litsch – sie Physiotherapeutin, er Augenarzt – ihre Patienten an und aufs Pferd zu bringen. Spastisch gelähmte Kinder wurden auf dem geführten Pferd behandelt, blinde und sehbehinderte erhielten Reitunterricht auf dem Pferd des Ehepaares. Mit dabei: Die Schülerin Susi Fieger als Pferdeführerin … Sie war dabei, als Hippotherapie, das Reiten als Sport für Behinderte und die anderen Sparten des Therapeutischen Reitens ihre Anfänge nahmen.
1970 schlug die Geburtsstunde des Deutschen Kuratoriums für therapeutisches Reiten (DKThR), nur fünf Jahre später wurde der Verein „IG Therapeutisches Reiten Rhein-Main“ vom Ehepaar Litsch und anderen engagierten Reitern aus der Taufe gehoben. Nur wenige Jahre später ging die Vereinsführung an Susi Fieger, die damals noch Medizin studierte - und bis heute ist Dr. Susi Fieger in offizieller Funktion als Vorstandsvorsitzende wie auch im alltäglichen Vereinsleben aus der IG Therapeutisches Reiten Rhein-Nahe, wie der Verein inzwischen heißt, nicht wegzudenken.
Viel hat sich in vierzig Jahren Vereinsgeschichte getan: Die größte und sichtbarste Veränderung kam mit dem Umzug in eine eigene Reitanlage in Wonsheim, wo heute wöchentlich nicht nur etwa 80 behinderte Gäste betreut werden, sondern auch ein nichtbehindertes Klientel das Reitangebot wahrnimmt. Längst gehören Fortbildungen für Ausbilder und Therapeuten in allen Bereichen des Therapeutischen Reitens zum Jahresprogramm des Standortes. Für das Außenbild der IG, der Anlage in Wonsheim wie für das Therapeutischen Reiten insgesamt von besonderer Bedeutung sind die vielen Erfolge, die von Vereinsmitgliedern national wie international errungen wurden und werden. Wenn Dr. Fieger das „Urgestein“ des Vereines ist, so darf Britta Näpel (ebenso augenzwinkernd) als „Aushängeschild“ bezeichnet werden. Die Pferdewirtschaftsmeisterin und Trainerin A hat seit über zwanzig Jahren die Geschäftsführung des Zentrums für Therapeutischen Reiten in Wonsheim inne. Sie und zahlreiche andere ReiterInnen von Weltrang – Bianca Vogel, Angelika Trabert, Hanne Brenner und andere – sind für das hohe Ansehen und die internationale Anerkennung der Para-Dressur mit verantwortlich. 2009 wurde die Anlage in Wonsheim übrigens als Landes-Leistungszentrum Paradressage des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz anerkannt, das Training wird von Landestrainerin des BSV Rheinland-Pfalz Uta Gräf betreut. Es war ein langer Weg von Longenstunden auf dem eigenen Pferd der Familie Litsch bis zum Hochleistungssport, von einer Randerscheinung des Pferdesports zu einem selbstverständlichen Nebeneinander und eben auch Miteinander von Dressur und Para-Dressage, von Fahrsport und Para-Fahrsport.
Dieses Miteinander ist es, was den Verein auszeichnet. Das wurde auch beim Gala-Abend Mitte Juni deutlich, der die Vereinsgeschichte wie auch die heutige Tätigkeit der IG in festlichem Rahmen abbildete. Wenn der Gast einen prägenden Eindruck von den schönen Stunden in der festlich geschmückten Reithalle der Reitanlage in Wonsheim mit nach Hause nahm, dann war es wohl genau dieses Miteinander: Von Aktiven und Gästen, von Sponsoren, Spendern und Ehrenamtlichen, von Reitern, Pferdefreunden und Angehörigen, von bunt bemalten und farbenfroh kostümierten Darstellern und festlich gekleideten Zuschauern. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren zahlreich erschienen und verkörperten einen ganz wichtigen Aspekt dieses Miteinanders: Ohne „die da oben“ geht es nicht. Es braucht die Unterstützung von Politikern auf Gemeindeebene bis hin zum Bundestag, die Hilfe von Geldgebern, das Verständnis der Verantwortlichen in Behörden und Institutionen, das Wohlwollen vieler. Das der Verein auf diese Unterstützung in hohem Maße bauen konnte und heute noch kann, zeigten die vielen geladenen Gäste aus Politik und Gesellschaft, die in kurzen Ansprachen und Grußworten nicht müde wurden, die gute Arbeit des Vereins, die Relevanz dieser Tätigkeit für unsere Gesellschaft zu loben und zu betonen – und wie es sich für gute Gäste gehört, hatten sie alle Geschenke dabei …
Text und Fotos: Angelika Schmelzer
