Schlankere Struktur macht Verband fit für die Zukunft

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Ende einer Ära beim Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV): Geschäftsführender Präsident Hagen Herwig wird beim Abschied zum Ehrenpräsidenten gewählt

Bad Kreuznach. Wenn ein Verband seine Struktur so radikal ändert, dass eine ganze Ebene wegfällt – und damit auch mehrere Führungspositionen –, dann scheinen harte Diskussionen programmiert. Nicht so beim Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV): Auf dem Verbandstag in Bad Kreuznach haben die Delegierten in großer Einmütigkeit eine weitgehende Satzungsänderung vollzogen. Einstimmig verabschiedeten sie das Konzept, mit dem sich der Landesverband 63 Jahre nach seiner Gründung fit für die Zukunft machen will.

Es war nicht die einzige Zäsur in der Geschichte des BSV – ein zweites Ereignis war sogar das Ende einer Ära. Hagen Herwig, der den Verband in den vergangenen 16 Jahren entscheidend geprägt hatte, zuletzt als Geschäftsführender Präsident, trat aus der Führungsriege ab. Die Delegierten erhoben sich und spendeten ihm minutenlang Beifall, als er vom Verbandstag einstimmig zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.

Nur alle vier Jahre findet der Verbandstag des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbandes Rheinland-Pfalz statt. Entsprechend bedeutsam sind die Beschlüsse und Wahlen, wenn die Delegierten tagen. In diesem Jahr kam zu den Personalentscheidungen noch eine mindestens ebenso wichtige organisatorische Veränderung hinzu. Der Verband gab sich eine neue Struktur, die in den kommenden Jahren dazu beitragen soll, dass der BSV seine Aufgaben noch effektiver wahrnehmen und seine wichtigen Ziele erreichen kann.

Kernpunkt der Strukturveränderung ist, dass der Landesverband künftig auf die Bezirksebene verzichtet. In den Gründungsjahren nach 1952 und in den ersten Jahrzehnten war diese Ebene wichtig und sorgte mit dafür, dass die Vereine und Mitglieder Ansprechpartner in ihrer Nähe hatten. In Zeiten immer direkterer Kommunikation hatte sich die Organisationsform allerdings überholt und sich bisweilen gar als Hemmschuh erwiesen, da Zuständigkeiten nicht eindeutig geklärt werden konnten.

Die neue Organisationsform ist deutlich schlanker und baut unmittelbar auf Kompetenzen auf. Die Führungspositionen können in der neuen Struktur ausschließlich mit Experten besetzt werden. Der BSV reagiert damit auch auf völlig neue Herausforderungen, die sich in den vergangenen Jahren ergeben haben.

Das ist zum einen das extreme Wachstum des Verbandes. Als der scheidende Geschäftsführende Präsident Hagen Herwig 1999 in die Verbandsspitze eintrat, hatte der Landesverband rund 9.000 Mitglieder. Heute sind es dank der größeren Möglichkeiten und Angebote im Behindertensport mehr als 44.000. Die Zahl der Mitgliedsvereine wuchs ebenfalls stark. Allein in den vergangenen vier Jahren seit dem letzten Verbandstag kletterte sie von 304 auf 366. Rund 50 Sportarten werden in den Vereinen betrieben, davon sind 20 so verbreitet, dass es auf Landesebene einen Fachwart für die Sportart gibt.

Aber auch inhaltlich stellen sich dem Verband ganz neue Aufgaben. Das Thema „Inklusion“ mit all seinen Facetten erfordert die aktive Einmischung der BSV-Experten auf verschiedenen Feldern der gesellschaftspolitischen Diskussion, damit der BSV sich als Interessenvertreter von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung einbringen kann. Die zunehmende Bedeutung des Rehasports stellt ebenfalls immer neue Fragen und verlangt nach fundierten Antworten.

Großes Vertrauen setzen die Delegierten nicht nur in die neue Struktur, sondern auch in ihr Führungspersonal. Obwohl die Wahlen – wie es beim BSV Tradition ist – in geheimer Abstimmung erfolgten, erhielten die neuen Präsidiumsmitglieder große bis überwältigende Mehrheiten. Präsident des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbandes Rheinland-Pfalz (BSV) bleibt der ehemalige rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch. Unterstützt wird er von den Vizepräsidenten Rolf Boettiger, Michael Nebgen (Finanzen), Christoph Sagner (Aus- und Weiterbildung), Christoph Werner (Sport und Vereinsentwicklung) und Jens Wolf (Rehasport).