Spiel, Satz und Sieg für die Völkerverständigung
Breitensport Vereine



6. Internationales Tennisturnier des BSV Rheinland-Pfalz für Menschen mit geistiger Behinderung Treis-Karden. Sport verbindet - über Ländergrenzen hinweg und auch jenseits aller körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Das beweist der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV) seit Jahren mit einer Reihe von großen Veranstaltungen. Eine besonders beliebte ist das Internationale Tennisturnier für Menschen mit geistiger Behinderung, das am Wochenende nun schon zum sechsten Mal in Treis-Karden stattfand.
Kelly antwortet ganz schlicht auf die Frage, was ihr denn beim Internationalen Tennisturnier in Treis-Karden am besten gefällt: "Alles!" Die 19-jährige Luxemburgerin schwingt zum ersten Mal den Schläger beim Breitensport-Wettbewerb an der Mosel. Ihrem Lächeln ist zu entnehmen, dass es wohl nicht ihre letzte Teilnahme bei dem Turnier gewesen sein wird. Für Kelly wie für die anderen 29 Teilnehmer stimmt eben wirklich jedes Detail - bis vielleicht auf das Wetter: Das fast tropische Klima verlangt den Spielern eine Menge ab an Leistungsfähigkeit. Und an Disziplin: Auf den Plätzen des ausrichtenden TC Treis muss man schon gehörig aufpassen, dass man sich bei der Schwüle nicht übernahm.
Das Orga-Team um BSV Sportreferentin Lisa Reithmann achtet deshalb nicht nur auf einen reibungslosen Ablauf, sondern auch darauf, dass nicht übertriebener sportlicher Ehrgeiz bei diesen Witterungsbedingungen zu gesundheitlichen Schäden führt. Gleichwohl wird auf den gut präparierten Sandplätzen zum Teil hochklassiger Sport geboten. Es ist beeindruckend, wie technisch stark und taktisch geschickt die Akteure mit geistiger Behinderung zu Werke gehen.
Der 25-jährige Tim saugt die Wettkampf-Atmosphäre des Breitensport-Events intensiv auf. Auch für ihn ist die Teilnahme eine Premiere. "Das ist sehr schön hier, ich fühle mich richtig gut", sagt er - und schon nimmt er sein Racket und macht sich auf an den Rand eines Platzes, um den anderen Spielern aufmerksam zuzuschauen. Die 30 Spieler aus Deutschland, Tschechien und den Benelux-Staaten sind von Donnerstag bis Sonntag mit ihren Betreuern im Kloster Engelport untergebracht. Das Gemeinschaftserlebnis steht für viele von ihnen im Vordergrund, auch für die 24-jährige Lies aus Belgien. Sie ist zum zweiten Mal in Treis-Karden dabei und schätzt die familiäre Atmosphäre sehr: "Es ist sehr schön, dass man hier Spieler aus anderen Ländern trifft und mit ihnen Freundschaft schließen kann."
Ein Mann der ersten Stunde beim Treis-Kardener Turnier ist Heino aus Schleswig. Der 44-Jährige hat an allen sechs Turnier teilgenommen und ist dabei durchaus auch sportlich sehr ambitioniert: "Ich bin hier immer sehr erfolgreich", strahlt er. Erste Plätze sind für den schlagkräftigen Hünen, der auch gern und gut Fußball spielt, nichts Ungewöhnliches. "Es macht hier immer viel Spaß - auch weil ich oft gewinne". Die Medaillen und Urkunden, die es in Treis-Karden zu holen gibt, haben für Heino einen hohen Stellenwert. Und so soll es auch sein bei dem inzwischen schon traditionellen Breitensport-Event: Wettbewerb ist wichtig für Menschen mit geistiger Behinderung. Erfolge stärken das Selbstbewusstsein, Niederlagen stacheln zu besserer Leistung an. Das alles aber ohne Verbissenheit, sondern mit Spaß in familiärer Atmosphäre. Die Sportler sind sich einig: Im nächsten Jahr sieht man sich an der Mosel wieder.
Bildtexte:
Der 44-jährige Heino aus Schleswig freut sich über Siege und Medaillen.
Was gefällt der 19-jährigen Luxemburgerin Kelly am besten? Einfach alles.
Die 24-jährige Lies aus Belgien knüpft an der Mosel neue Freundschaften.
Spielen macht dem 25-jährigen Niederländer Tim Spaß - Zuschauen auch.
(Pressetext Bernd Pätz)
