Straßen-Karneval in der Rhein-Mosel-Halle
VereineKoblenz. Wenn der Straßen-Karneval den Saal erobert – dann spricht vieles dafür, dass wieder der Tag im Jahr gekommen ist, an dem der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV) und die Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK) zur Handicap-Sitzung eingeladen haben.
Es ist Party-Time in der Rhein-Mosel-Halle. Das Programm auf der Bühne ist die perfekte Animation, aber in Wirklichkeit feiern sich viele der Besucher vor allem selbst. Fast jeder freie Zentimeter zwischen den vollbesetzten Tischreihen wird genutzt: Hier für schwungvolles Mittanzen, ein paar Meter weiter für eine Polonaise.
Die erfahrenen Narren um Moderator Heinz Kölsch wissen, dass sie heute Abend das dankbarste Publikum haben, das sich Karnevalisten wünschen können. Seit mehr als 30 Jahren ist die Veranstaltung ein Stimmungs-Höhepunkt in der Koblenzer Session. Und mit den vielen hundert Besuchern aus fast allen Behinderteneinrichtungen im nördlichen Rheinland-Pfalz ist sie auch die größte ihrer Art in ganz Deutschland.
Auf Wortbeiträge in der Bütt wird wie immer verzichtet. Tanzdarbietungen, Schlager- und Stimmungsmusik prägen das Programm. Prinz Frank von Güls am See ernetet stürmischen Beifall, als er erklärt, dass sich die Karnevalisten auf diesen Auftritt schon das ganze Jahr freuen. Und als dann Confluentia Melina selbst mit der Tanzgarde elegant die Beine schwingt, hat sie die Herzen der Besucher im Sturm erobert.
Frenetischer Beifall für die Akteure auf der Bühne ist das eine, was die Stimmung im Saal auszeichnet. Noch markanter ist allerdings das Happening, das viele Gäste selbst inszenieren. Eine perfekte Symbiose geht das Geschehen im Saal mit dem auf der Bühne ein, als Lisa Flicka die Helene Fischer gibt: Aus hunderten von Kehlen schallt ihr das “Atemlos” entgegen – wobei viele der Besucher eine erstaunliche Kondition beim Tanzen und Singen beweisen. Manche scheinen nie außer Atem zu sein. Sie rocken zu jedem Ton mit. Wie später auch bei Torty de Banana alias Torsten Schupp, der seit vielen Jahren mit seinen Stimmungsliedern der Publikums-Liebling ist.
Traditionell kommt die größte Besuchergruppe mit mehr als hundert Gästen aus Niederfell. Betreuerin Uschi Ternes aus dem Herz-Jesu-Haus Kühr ist wie immer begeistert von der Partystimmung ihrer Schützlinge, die sie allerdings genauso erwartet hat: „In der Woche vor der Sitzung gibt es für viele fast kein anderes Thema. Sie fiebern aufgeregt dem Abend entgegen.“
Und dann machen sie den Saal zur Bühne. Und sich selbst zum Programm. Das ist närrischer Frohsinn in seiner ursprünglichsten Form.

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