Zu Fuß und auf dem Rad: Am liebsten schön steil und schwierig
Breitensport



Der Wandertag am Kloster Ebernach zieht mehr als 1000 Menschen an Cochem. Bewegung an frischer Luft fördert die Fitness und das Wohlbefinden – eine Binsenweisheit. Sie gilt in besonderem Maße auch für Menschen mit geistiger Behinderung. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass eine der traditionsreichsten Veranstaltungen, die der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz (BSV) innerhalb seiner großen Angebots-Palette anbietet, ein Wandertag ist.
Am Mittwoch, 8. Mai, ist es wieder so weit. Dann lädt der BSV zum jährlichen Wandertag nach Cochem ein. Am Kloster Ebernach läuft nicht nur eine der traditionsreichsten, sondern auch eine der beliebtesten Veranstaltungen im BSV-Kalender. Die Teilnehmerzahl liegt seit Jahren beständig jenseits der 1.000.
Klaus Streithoff ist einer der Bewohner von Kloster Ebernach, der sich schon sehr auf den Wandertag freut. Für ihn ist es selbstverständlich, dass er auf die lange Strecke gehen wird. Der 61-Jährige ist ein routinierter Wanderer: „Ich bin gerne schnell unterwegs mit meinen Wanderstöcken. Schon vier Mal war ich bei der Wanderfreizeit in Allgäu dabei und ich bin oft einer der ersten am Ende der Wanderungen.“
Seit 1965 wohnt Klaus Streithoff schon in Kloster Ebernach. Er ist ein Frühaufsteher, morgens um 5 geht es raus aus den Federn. „Meinen Zimmernachbarn muss ich immer wecken“, schmunzelt er. Sein Arbeitstag in der Werkstatt – hier verpackt er Dübel – ist für ihn nicht ermüdend – im Gegenteil: Oft hat Klaus Streithoff danach noch Lust auf sportliche Betätigung, am liebsten im Freien.
Neben dem Wandern ist das Fahrradfahren sein zweites großes Hobby. „Ich habe sogar die Fahrradprüfung gemacht“, sagt er stolz. „Beim ersten Mal bin ich zwar durchgefallen, aber beim zweiten Versuch habe ich bestanden.“ Beim Spazierengehen ist er einmal unglücklich gestürzt und hat sich die Hand gebrochen: „Aber das ist dann operiert worden und gut verheilt und das stört mich beim Fahrradfahren gar nicht mehr.“
Begeisterte Wanderer sind auch Iris Giffeler und ihr Freund Wolf Berkemeier. Fast immer sind die beiden, die auch privat ein Paar sind, gemeinsam unterwegs. Und auch ihr zweites Hobby ist neben dem Wandern das Fahrradfahren.
Wolf Berkemeier ist im Sattel sportlich ausgesprochen ambitioniert: „Ich fahre schon seit 30 Jahren und einmal da bin ich 18 Stunden am Stück gefahren, 245 Kilometer. Wenn ich alleine unterwegs bin, dann fahre ich am liebsten im Wald, da wo Steigungen sind. Einmal sind mir dabei sogar Wildschweine begegnet.“
„Ich bin schon ganz schön ehrgeizig“, sagt Wolf Berkemeier. Wenn ich mir mal was vorgenommen habe, dann mache ich das auch. Mit meiner Freundin bin ich mal morgens um 6 von Cochem nach Koblenz gefahren und um 16 Uhr waren wir dann wieder zurück. Wenn man größere Touren macht, dann ist es gut, dass man auf dem Handy sehen kann, wo Baustellen sind.“
Der 40-Jährige, der seit 2009 im Kloster Ebernach lebt, hat früher an Maschinen gearbeitet. Heute ist er in der Wäscherei. „Ich bin bei der Arbeit sehr motiviert“, betont Wolf Berkemeier. Er fährt am liebsten mit dem Fahrrad zur Arbeit: „Wie haben auch extra geklärt, dass ich auf dem Weg versichert bin“, erklärt er. Beim Wandern ist er genauso ehrgeizig wie beim Fahrradfahren – am liebsten mag er die Strecken lang und schwierig. Der Epileptiker weiß Wanderungen auch aus gesundheitlichen Gründen zu schätzten: „So ein Wander-Urlaub, wie ich ihn schon ein paar Mal gemacht habe, das ist für mich wie eine Kur.“
Wolf Berkemeiers Lebensgefährtin Iris Giffeler, mit der er seit Herbst 2011 in Haus Florian wohnt, lebt seit 2005 im Kloster Ebernach. Die 29-Jährige lässt auch gerne einen kleinen Blick in die Privatsphäre zu: „Wir verloben uns, wenn ich 30 bin“, sagt sie. „Wir kennen uns jetzt seit vier Jahren und seit anderthalb Jahren sind wir zusammen. Und wie haben sie sich kennengelernt? Natürlich: auf einer Fahrradtour.
Auch Iris Giffeler mag große Wandertouren: „Wir gehen öfter bei Sehl in die Weinberge, da sind schöne Wege. Und wir waren auch in Oberjoch wandern, da sind ganz tolle Berge. Und ich habe da ganz leckere Käsespätzle gegessen“, erinnert sich Iris Giffeler noch genau. Als sportliche Abwechslung zum Wandern und zum Radfahren geht Iris Giffeler gerne schwimmen. Und auch dabei hat sie ihre Erfolgserlebnisse: „Ich bin die schnellste Rutscherin.“
Beruflich hat sich Iris Giffeler ein klares Ziel gesetzt. Derzeit zählt sie noch Holzkeile in der Werkstatt, aber sie will den Hubwagen-Führerschein machen: „Dann kann ich die Paletten hoch- und runterfahren.“
Bildtexte: Klaus Streithoff freut sich schon auf die große Wandertour am 8. Mai. Sie haben sich auf einer Fahrradtour kennengelernt und sind heute ein sportlich aktives Paar: Iris Giffeler und Wolf Berkemeier.
Autor: Bernd Paetz

